Eine so lange Radtour wie wir sie vorhaben braucht einen enormen Planungsaufwand. Vor allem, wenn man nicht nur auf der Strasse, sondern auch mal auf Schotterpisten unterwegs sein will.


Unsere Idee ist es Australien zu durchqueren, allerdings wollen wir das nicht auf dem Stuart Highway, sondern abseits der Hauptstrasse tun.
Um unsere Route genau festzulegen, überlegten wir zunächst, was wir von Australien alles sehen wollten, wir wälzten uns durch Karten, Bücher und Freunde, die schon mal da gewesen waren, und versuchten dann, diese Punkte zu verbinden und alle in unsere Planung mit einfließen zu lassen.
Unser Problem war erst mal das Wetter. Zuerst wollten wir Australien von Nord nach Süd durchqueren. Das ging aber nicht, da in unserer Startzeit in Darwin Regenzeit ist. Der Regen verwandelt Schotter und Sand der Pisten zu Schlamm, in dem alles stecken bleibt. Um also weder zur falschen Zeit in Darwin, noch in der heißesten Zeit mitten in der Wüste zu sein, stellten wir unsere Route einfach auf den Kopf. Problem gelöst. Nun fahren wir in den Sommermonaten an der Küste entlang und fahren erst in die Wüste, wenn es sich dort schon etwas abgekühlt hat.

Das heißt aber auch, dass wir nachts Temperaturen um den Gefrierpunkt haben. Am Tag erreichen wir trotzdem Temperaturen über 30 Grad, was eine besondere Anforderung an die Klamottenwahl stellt. Um uns gegen die intensive Sonneneinstrahlung zu schützen, kauften wir uns lange dünne Bauwollklamotten in denen wir auch Rad fahren können.

Als die Route endlich feststand, konnten wir anfangen, genaue Informationen über die Strecken zu sammeln, um so wenig wie möglich dem Zufall zu überlassen. Besonders in der Wüste ist es enorm wichtig, die Strecke zu kennen um zu wissen, wann es wo Wasser gibt. Auf unserer Route fahren wir z.B. zwischen Leonora und dem Uluru 500km, auf denen es keine Versorgung gibt, auch kein Wasser. Hier überlegten wir uns nun, wie viele Tage wir für die Strecke und wie viel Wasser wir pro Person und Tag brauchen würden. Nachdem wir uns ausgerechnet hatten, dass jeder von uns mindestens 50L Wasser auf seinem Rad transportieren müsste, ging es an die Planung der Ausrüstung. Wie sollten wir so viel Wasser auf den Rädern transportieren?. Wasserkanister wären eine gute Möglichkeit, viel Wasser unter zu bringen. Wenn die Kanister jedoch nicht mehr ganz voll sind, kann das Wasser darin hin und her schwappen. Diese Wasserbewegungen können mitunter so heftig sein, dass sie einen glatt mal vom Rad hauen. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Kanister immer gleich viel Platz weg nehmen, auch wenn kaum Wasser darin ist.

Wir entschieden uns für Wassersäcke. Diese sind zwar etwas komplizierter in der Handhabung und man muss sie in den Taschen transportieren, aber dafür sind sie ohne Wasser sehr klein und lassen sich gut verstauen.
Um auszuprobieren, wie gut man 50L Wasser in unseren Taschen und somit auf unserem Rad unterbringen kann, bepackten wir mit fünf 10 Liter Säcken mein Rad. In dem Moment wurde mir klar, wie viel 50L Wasser sind. Auch wenn die Wassersäcke meine Taschen fast ausfüllten, quetschte ich noch ein paar Klamotten dazu. Für Essen blieb leider kein Platz mehr.... Als ich dann eine Probefahrt über einen Waldweg machte, lernte ich ein ganz neues Fahrgefühl kenne. Mein Fahrrad wiegt 17kg, mein Gepäck mit Wassersäcken und Kleidung (ohne Essen) rund 80kg die ich da bewegen muss.

Zum Glück sinkt das Gewicht proportional zu den Tagen, die wir auf dieser Strecke unterwegs sind. Da in den Taschen kein Platz mehr für Essen war, entschieden wir uns, zusätzlich noch Bob mitzunehmen. Ein Bob ist ein kleiner Einspuranhänger, den man mit bis zu 32kg Gewicht bepacken kann. Er lässt sich einfach an der Hinterradachse befestigen und ist so eine gute Möglichkeit, zusätzlich Platz zu schaffen. Nun brauchten wir noch einen passenden Flug, weshalb wir alle Reisebüros in Wiesbaden ab klapperten. Die Flüge, die wir dort angeboten bekamen, waren aber alle sehr teuer und bei vielen reichte das zugelassene Gewicht des Freigepäcks bei weitem nicht aus, um unsere Räder mitzunehmen. Nach einem sehr langen Tag, entschieden wir uns also, einen Flug im Internet zu suchen. Wir fanden einen Flug von Frankfurt nach Sydney, der ein paar 100 Euro unter den Angeboten der Reisebüros lag und auf dem wir die Räder gegen einen geringen Aufpreis mitnehmen konnten.

Um sein Rad mit nach Australien nehmen zu dürfen, muss man es, neben dem aufwendigen einpacken in einen Karton, außerdem sehr gut putzen, da die Australier sich vor Seuchen schützen wollen.
Das Visa für ein halbes Jahr konnten wir auch im Internet beantragen. Mann muss sich nur durch einen riesigen Fragenberg kämpfen und dann warten ob man angenommen wird. Nachdem bei dem Beantworten der Fragen, ein paar mal der Computer nicht mitgespielt hatte, kam die Antwort dann aber ziemlich schnell. Um in Australien bezahlen zu können, wollten wir eigentlich Travallershecks mitnehmen. Die gibt es aber nicht in Australischen Dollars, was bedeutet, dass wir sie jedes Mal in einer Bank gegen Bargeld hätten umtauschen müssen. Deshalb haben wir uns entschlossen, ein Konto bei der deutschen Bank zu eröffnet. Da die deutsche Bank mit einer der Australischen Banken zusammenarbeitet, können wir so in Australien mit der Karte bezahlen und auch Geld abheben, ohne Gebühren zahlen zu müssen.

Zur Vorbereitung unserer eigenen Sicherheit, haben wir neben dem Erste-Hilfe-Extrem-Kurs , natürlich auch eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Hierbei suchten wir speziell Versicherungen, die auch die Such- und Bergungskosten übernehmen. Um im Outback jedoch jemandem mitzuteilen, das wir überhaupt geborgen werden wollen, werden wir einen Notsender mitnehmen, der über Satellit einer Rettungsstation mitteilt, dass wir Hilfe brauchen. Die Rettungsmannschaft kann den Sender auch lokalisieren und unsere Position bestimmen.

Um uns im Notfall erst mal selber vorsorgen zu können stellten wir uns jeder ein Este-Hilfe-Set zusammen, in dem sich alles befindet, was man für die erste und zweite Hilfe und auch für längere Zeiträume braucht. In diesem Zusammenhang informierten wir uns auch über die Schutzimpfungen. Für Australien gibt es zwar keine Vorschriften, gegen was man sich impfen muss, es ist jedoch ratsam, sich z.B. gegen Hepatitis A und B und Typhus zu impfen, besonders wenn man im Outback unterwegs ist.

alls uns etwas gestohlen wird oder wir etwas verlieren, haben wir von allen wichtigen Dokumenten Kopien dabei und zusätzlich noch eine Kopie im Internet gelagert, so das wir sie uns in jedem Internetcafe ausdrucken können. Bei der weiteren Planung fanden wir z.B. heraus, dass in Australien absolute Helmpflicht herrscht und das man, um durch Aboriginal Gebiete zu fahren, so genannte Permits braucht. Davon hatten wir noch nichts gehört und suchten also im Internet, was es damit auf sich hatte. Wir stellten fest, dass es für Radfahrer schwierig werden würde, diese Genehmigungen zu bekommen. Denn normalerweise, werden sie nur an Autofahrer vergeben, die nur an bestimmten Autorasthöfen übernachten dürfen, wildes Campen ist absolut tabu. Da wir mit dem Rad natürlich wesentlich langsamer sind als ein Auto, sind die Entfernungen der Rasthöfe für uns mehrere Tagesetappen von einander entfernt, wodurch wir auf jeden Fall campen müssen. Also schrieben wir an verschiedene Offices und fahren nun erst mal ohne Permits los, da sich noch niemand zurück gemeldet hat.

Daniel & Annika

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